Festival Retz 2025

Salome

Azione multimediale
Premiere 11.07.2025 Stadtpaffkirche Retz

Photos by Lalo Lucia Jodlbauer

La Decollazione di San Giovanni Batista

Oratorium von Antonio Maria Bononcini,  Libretto von Giovanni Domenico Filippeschi, 1709
Premiere: 11.07.2025  Stadtpfarrkirche St. Stephan, Retz (NÖ)

Inszenatorisches und visuelles Konzept für 5 Kanal Videoinstallation in Verschränkung mit Live Musik.
Partizipatives Projekt: 30 Retzer*innen spielen im Film die Hauptrolle!



Crew

Musikalische Leitung: Luca De Marchi
Inszenierung: Nicole Aebersold, Jasmin Avissar
Intermediale Installation: Nicole Aebersold
Choreografie: Jasmin Avissar
Bühnenbild, Lichtdesign: Hartmut Schörghofer
Lichttechnik: Martin Knaupp
Kostüme: Claudia Posekany
Maske: Marika Fiala
Dramaturgie: Christian Baier

Salome: Anna Piroli
Herodias: Claudia Lippo
Johannes: Chiara Brunello
Angelo: Cornelia Sonnleitner
Herodes: Fernando Aarón
Garcia-Campero: Gómez

Ensemble Continuum Wien (Management: Martin Horváth)

Filmcrew

Projektmanagement: Hanna Hofmann
DOP: Kristina Cyan
Kamera: Nick Shandra
Kameraassistenz: Natalija Milojković
Regieassistenz: Julia Timoshkina, Ksemia Verbeštšuk
Set Design: Almira Kanbur
Asssistenz Set Design: Tatiana Herreiner, Anna Leonova
Animation: Barbara Wilding, Nicole Aebersold
Farbkorrektur: Kristina Cyan, Paul Lechmann
3D Modeling: Majedeh Shahvelayati, Sajad Ghaderi
Postproduktion VFX: Paul Lechmann
Hand Model: Mehrta Shirzadian
Regie & Produktionsleitung: Nicole Aebersold

Herzlichen Dank an alle Darsteller*innen!

Pressestimmen

"Zweitausend Jahre lang wurde Salomes Geschichte aus männlicher Sicht erzählt. Es ist Zeit, diese Erzählweise zu hinterfragen!", sagt Nicole Aebersold. Die Zeichen stehen gut, dass ihr dies bei der Opernpremiere des Festival Retz gehaltvoll gelingt. Die Schweizerin inszeniert dort nicht etwa die erotisch überhitzte Salome von Richard Strauss, sondern eine rund 200 Jahre ältere, konfliktreiche Vertonung: Im gleichnamigen Oratorium des Italieners Antonio Maria Bononcini sitzt Salomes Mutter Herodias keineswegs ungefährdet an den Schalthebeln der Macht, sondern droht von ihrem Geliebten Herodes verstoßen und vom Volk gesteinigt zu werden. Es folgt ein Überlebenskampf, in dem sie nicht zuletzt auf die Verführungskräfte ihrer Tochter setzt.
Aebersold, an sich Filmemacherin, reichert das Sangesdrama in der Stadtpfarrkirche St. Stephan mit einer Flut von Bewegtbildern feministisch an: Der Abend - Premiere ist am Freitag - verspricht "eine multimediale Phantomjagd durch zwei Jahrtausende männlicher Fantasien".
Christoph lrrgeher, Der Standard, 10.07.2025


Die Inszenierung von Nicole Aebersold und Jasmin Avissar verwendet großflächige Projektionen, markantes Lichtdesign und choreografische Passagen. Die 1709 für den Wiener Kaiserhof komponierte Oper (...) mit dem Originaltitel "La Decollazione di San Giovanni Batista" enthält dramaturgisches Potenzial, das in Retz sehr
tiefgehende Interpretation erfährt. Besonders gelungen ist dabei die filmische Ebene. Unter Einbeziehung der Retzer Bevölkerung und der spezifischen Weinbau-Landschaft wird u.a. das Fresko "Das Fest des Herodes" von Filippino Lippi nachgestellt und somit in geradezu tourismusfördernder Bildsprache ein Konnex zwischen biblischer Ikonografie und idealer Gegenwart hergestellt.
Ewald Baringer, APA, 12.07.2025


Die Regie, die sich abstrakt auch an der barocken Gestensprache orientiert, beeindruckt durch ihre behutsame Mehrschichtigkeit. Der Kirchenraum verwandelt sich in einen so sparsam wie bewegungsgestisch präzise choreografierten Spannungs- und Sehnsuchtsort der Figuren. (...) Nichts ist zufällig. In der ritualisierten Abstraktheit der Bewegungen werden die Emotionen der Figuren jederzeit offenbar.
(...) Zu dieser Personenregie gesellt sich als atmosphärische und inhaltliche Aufladung die filmische Ebene. Sie zeigt Personen im Kirchenraum. Sie zeigt zu lebenden Gemälden sich formende, abstrakte Nahaufnahmen biblischer Früchte. Zudem entführt Animationskünstlerin Nicole Aebersold in die Weinviertler Natur. Menschen bahnen, in Anlehnung an das Fresko Das Fest des Herodes von Filippino Lippi, im Freien eine langsam und leicht aus dem Ruder laufende Tischgesellschaft an. (...) Das wirkt stimmig und präzise hinzugedacht und verschmilzt gut mit der musikalischen Umsetzung.
Ljubiša Tošić, Der Standard, 14.07.2025 


Das Überraschendste an diesem Abend ist aber die Inszenierung von Nicole Aebersold und Jasmin Avissar. Die beiden Damen tappen nicht in die Falle, in der die meisten ihrer Kolleg/innen bei der Begegnung mit Barockopern versinken: sie versuchen erst gar nicht, aus diesem Werk ein veristisches Action-Drama zu machen und dabei die Plastikblutvorräte des Fundus gänzlich aufzubrauchen. Nein, Aebersold & Avissar sind klug genug, auf stilisierte Gestik und symbolische Ästhetik zusetzen: die Videoeinspielungen von Granatäpfeln und Granatapfelkernen sind schöner und eindrucksvoller und erzählen mehr von der Tragik der Geschichte als alle Blutbeutel dieser Welt. (...)
Alles in allem: die beste Produktion, die man in Retz je gesehen hat und die künstlerisch ernstzunehmendste Produktion des bisherigen Opernsommers.
Robert Quitta, Online Merker,  22.07.2025


Können biblische Figuren neu gesehen, neu interpretiert werden? Im zweiten Jahr des neuen Leitungsteam des Festivals Retz - zugleich das 20. Jahr des Bestehens - muss die Frage eindeutig mit „Ja“ beantwortet werden. 
(...) Auf den sich im Kirchenraum verjüngenden Projektionsflächen sind im übertragenen Sinn die Vorbereitungen für das anstehende Fest zu sehen. Und bald darauf treffen die ersten Gäste - im Film gespielt von Retzern, die sich zahlreich für die Dreharbeiten zur Verfügung stellten - ein. Wie das so ist mit Gästen - manche kommen auch uneingeladen, wie in diesem Fall Johannes der Täufer, der bei seinem Auftritt erst mal mit der Kirchentür knallt. (...) Der Figur des Johannes ist filmisch ein eigenes Motiv gewidmet: die Stadtpfarrkirche im Gegenschnitt. Je konsequenter der Prediger seine Vorwürfe vorträgt, umso mehr füllt sich der (projizierte) Kirchenraum mit Gläubigen. Sehr klar, wie gefährlich Johannes für Herodes werden kann, verdeutlicht eine Szene, in der die Kirchenbesucher im Film auf jede Handbewegung des Predigers reagieren. (...) Eindringlich auch die filmische Symbolik, die die Schweizerin Aebersold für die Figur der Salome (Anna Piroli, stimmlich sanftmütig) ersonnen hat. Ein Granatapfel, der zunächst von Frauenhand gestreichelt wird, um in der Auftrittsszene von Anna Piroli als Salome von ebendieser Hand mit einem Messer bedrohlich liebkost zu werden.
(...) Der Moment, der die Qualität einer Aufführung auszeichnet, ist der, wenn an ihrem Ende erst mal Stille regiert. Die Bilderflut und die markanten Stimmen samt der engagierten Interpretation des brillanten Ensembles Continuum unter der Leitung des Chefdirigenten Luca De Marchi machten ein Durchschnaufen durchaus
nachvollziehbar. Danach brach sich nur noch pure Begeisterung Bahn; samt ehrlich erarbeitetem stehenden Applaus des Publikums.
Christian Pfeiffer, NÖN, 13.07.2025


Bei Antonio Maria Bo­noncinis „Salome" (1709) „versuchen wir, die drei Kunstformen Live-Musik, Film und Szene komplett miteinander zu verschrän­ken im Kirchenraum", er­klärt Nicole Aebersold im KURIER-Gespräch das Kon­zept ihrer intermedialen In­szenierung. ,,Wir nutzen den Film tat­sächlich auch als erzählen­des Element, planen also nicht das Stück analog und drehen dann etwas dazu, sondern denken die Ge­schichte von Anfang an auch filmisch - immer in Korre­spondenz mit Live-Musik und Live-Szene."
Werner Rosenberger, Kurier, 20.06.2025



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