Festival Retz 2024

La Morte d'Abele

Oratorium
Premiere 09.07.2024, Stadtparrkirche Retz

Photos by: Barbara Pallfy

Oratorium in zwei Teilen von Pietro Metastasio, Musik von Leonardo Leo, 1738

Rekonstruktion und musikalische Fassung: Luca de Marchi, 2024, Österreichische Erstaufführung


Das Altarbild wandelt sich. Es reagiert auf das Familiendrama auf der Bühne.  Vom Originalbild- bis ins Retz von Heute. Ein Trauerzug zieht durch Stuben, Keller und Landschaft.  Wo immer der Zug ankommt gehen die Menschen mit.  Am Ende zählt die Prozession an die hundert  Retzer*innen...

Crew

Musikalische Leitung: Luca de Marchi
Inszenierung, Bühnenbild: Sebastian Hirn
Digitales Bühnendesign: Nicole Aebersold
Animation: Maarten Isaäk de Heer
Dramaturgie: Christian Baier
Kostüme: Constanze Knapp
Maske: Marika Fiala
Lichtdesign: Martin Knaup

Abel: Eldrid Gorset
Eva: Cornelia Sonnleithner
Kain: Markus Bjørlykke
Adam: Nikita Ivasechko

Chor (Einstudierung: Jörg Espenkott)
Ensemble Continuum (Management: Martin Horváth)

Pressestimmen


(...) Nun ist das Oratorium prinzipiell keine Form der szenischen Darbietung. Wenn doch eine Inszenierung erfolgt, begibt man sich immer auf schwankendes Terrain. In Retz hat die Schweizer Animationsfilmerin Nicole Aebersold ein interessantes Konzeptentwickelt: Sie verwandelt sukzessive das Altarbild der Kirche, indem sich Wolkenformationen und Personenkonstellationen ändern, bis man schließlich einem filmischen Prozessionszug von insgesamt über 100 Retzerinnen und Retzern durch die Stadt folgt. Das ergibt eine ästhetische optische Ebene, die das Geschehen ergänzt und gleichermaßen davon ablenkt.
Ewald Baringer/APA, Salzburger Nachrichten, 06.07. 2024

Während das ausgezeichnete Vokalquartett (...) die in Leos La Morte di Abele eingefasste Geschichte von Kain und Abel intensiv durchleidet, wandelt sich das Bild nach und nach. Wolken verdüstern sich, eine Taube fliegt hinweg. Und als eine Art Karussell der Trauer zieht ein Prozessionszug (100 Retzerinnen und Retzer), der einen Toten trägt, gleichsam durch das Altarbild. Die Inszenierung von Sebastian Hirn bezieht dieses filmische Geschehen ebenso ein wie den Kirchenraum als solchen. Auf dessen Boden sind Kleinsttafeln mit Zahlen zu sehen, die wie eine Form der Tatortsicherung wirken. Die Figuren werfen Schatten zwischen den Kirchenbänken. Als schrecklich tragische Familie sind sie aber vor allem auf einer Plattform zwischen Grabkerzen, Blumen und Plüschtieren dabei, Konflikte zu durchleben.
Zum hohen Niveau der Aufführung trägt das edel klingende, historisch informierte Ensemble Continuum Wien unter der sensiblen Leitung von Luca De Marchi bei. Das wiederentdeckte Werk voll der interessanten Ideen wird klangsinnlich wie prägnant vermittelt.
Ljubiša Tošić, Der Standard, 09.07 2024


Der Münchner Regisseur Sebastian Hirn, ehemals Assistent von Luc Bondy, verzichtete in seiner Inszenierung auf billige zeitgeistige Aktualisierungen. Dank starker, aber niemals aufdringlich kontrastierender Typisierung gelangen in der gemeinsam mit der Schweizer Filmemacherin Nicole Aebersold erarbeiteten Mischung aus traditionellem Bühnenbild und moderner Technologie starke Momente.
Josef Schmitt, DiePresse, 07.07.2024


Voller Symbolik auch die Szene, als Abel die Kerzen anzündet, als wüsste er um sein weiteres Schicksal, und Kain - von Markus Bjorlikke als zutiefst zerrissener Mensch gestaltet - diese umgehend ausbläst.  Daraufhin macht sich die Friedenstaube auf dem Altarbild, das den heiligen Stephan zeigt - den ersten Märtyrer des Christentums -, auf und davon. Der Schweizer Animationsfilmerin Nicole Aebersold, die für die Verwandlung des Altarbildes verantwortlich zeichnet, ist eine perfekte Illusion gelungen. Nichts hätte zunächst darauf hingewiesen, dass es nicht das originale Altarbild wäre. Immer mehr verwandelte es sich, bis zuerst Jesus und dann auch St. Stephan
verschwunden waren. Übrig blieben eine karge Landschaft und eine dräuende Gewitterwolke. (...) Spannend war, abgesehen vom Bühnengeschehen, wie das Publikum diese moderne, zupackende Inszenierung aufnehmen würde. Wie einhellig sich nach dem letzten Ton die Begeisterung der Zuschauer Bahn brach, war doch ein wenig überraschend - wiewohl hochverdient.
Christian Pfeiffer, NÖN, 06.07.2024




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